„30 Jahre Deutsche Einheit. Ja und?“ – Was wir daraus lernen können

„30 jahre deutsche einheit. Ja und?“

Was für viele junge Menschen heute selbstverständlich ist, ist für unsere Eltern und Großeltern nichts Geringeres als eine Revolution. Der Eiserne Vorhang, von heute auf morgen Geschichte. Lange glaubten viele nicht daran, dass sie den Mauerfall noch erleben würden, so auch meine Großeltern. Mal kurz nach Dresden? Für mich ganz normal, für Oma und Opa aus dem Westen immer noch etwas Besonderes.

Aber was stimmt nun? Beides! Wenn heute beispielsweise von unterschiedlichen Gehalts- und Rentenniveaus gesprochen wird, so verspürt man in der jüngeren Generation oft Unverständnis. Wieso sollten beispielsweise die Renten unterschiedlich sein? Wir sind doch ein Land! Ja das sind wir! Und das sollten wir auch zu schätzen wissen! Der Mauerfall ist „erst“ 30 Jahre her. Millionen der heutigen Rentnerinnen und Rentner, sowie auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, haben noch in der DDR gearbeitet. Das wirkt sich auch auf die Rente aus. Daher ist es richtig und wichtig die Renten anzugleichen. Ein weiteres Problem findet sich in unseren Köpfen. Ossi? Wessi? Deutsche(r)! Was für viele, vor allem westdeutsche Jugendliche, kein Thema sein mag, ist dennoch Alltag. Viele fühlen sich abgehängt, als „Deutsche zweiter Klasse“. Gerade letzteres ist natürlich Unsinn, aber Realität in den Köpfen vieler. Daraus sollten wir aber keinesfalls schlussfolgern, dass das Problem rein fiktiv ist. Im Gegenteil! Im Fall der Ungleichheiten zwischen Ost und West trifft beides zu. Sowohl die faktischen (ungleiche Rentenniveaus, wirtschaftliche Faktoren, etc.), als auch die „gefühlten“ Unterschiede sind nicht von der Hand zu weisen. So ist es unabdingbar die Sozialsysteme schnellstmöglich aneinander anzugleichen. Ansonsten manifestiert sich flächendeckend in den Köpfen ein Gefühl der Ungerechtigkeit.

Ja, Probleme sind subjektiv. Fragt man beispielsweise eine Dachdeckerin welche Witterungsverhältnisse für sie am problematischsten sind, so wird sie wahrscheinlich Regenschauer nennen. Ein Landwirt, und das ist in den vergangenen Monaten besonders deutlich geworden, würde dem wohl nicht zustimmen. Wenn eine neue Autobahn gebaut wird, ist dies für die einen die Ausbeutung der Natur auf Kosten fossiler Infrastruktur, für die anderen ist es die Chance, durch direktere Verbindungen, Emissionen zu sparen und eine Plattform für klimaneutrale Mobilität zu schaffen. Wer hat Recht? Beide! Am Ende gilt es, eine ausgewogene Entscheidung, unter Abwägung aller Aspekte zu treffen. Das scheint für viele so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein, dass sie verlernt haben tatsächlich so zu handeln. Die Politik läuft Gefahr ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verlieren. Wer auch nur den Eindruck erweckt, in dunklen Hinterzimmern Vereinbarungen zu treffen, kann nur Misstrauen schüren. Wer über und nicht mit den Menschen spricht, kann keine gute Entscheidung treffen. Und selbst wenn der faktische Outcome am Ende der gleiche ist, so ist das Ergebnis doch ein völlig anderes. Und da wären wir wieder bei den Köpfen. Denn was am Ende bei den Menschen hängen bleibt, ist viel wichtiger, als die Tatsache, ob es regnet, eine Autobahn gebaut wird, oder ob man „Ossi“ ist.

Wir brauchen eine neue Dialogkultur. Wir müssen wieder lernen, miteinander zu reden und voneinander zu lernen. Gerade in Zeiten einer der gravierendsten wirtschaftlichen und sozialen Krisen, in der unsere Generation zum ersten Mal Einschränkung und Verlust von Freiheit erlebt. Genau das ist es warum Oma und Opa, Mama und Papa für die Wiedervereinigung gekämpft haben. Welcher Anlass eignet sich dafür besser als 30 Jahre Deutsche Einheit?

 

Daniel Rüdel

Kreisvorsitzender

Aufgaben
- Koordination der Vorstandsarbeit
- Ansprechpartner für die FDP Kreisverbände
- Mitglied des erweiterten Landesvorstands
- Vertretung des Verbandes nach außen
Jahrgang
1992
Und sonst so?
Daniel ist der FDP Bundestagskandidat für den Wahlkreis 27.
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